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Über
das höchste Gut und das größte Übel" Cicero
Cicero
beleuchtet kritisch Woche für Woche
die
Gastronomie und Hotellerie in Österreich und International.
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Cicero
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in
Budapest
Cicero verschlug es vor kurzem nach
Budapest. Eine herrliche Stadt mit viel Leben und einer blühenden
Gastronomie. Leider trifft bei jener das Sprichwort zu, dass es
kein Licht ohne Schatten gibt.
Denn einerseits sind die Kellner durchwegs extrem freundlich und
bemüht und verfügen über sehr gute Englisch-Kenntnisse (und
speziell die Kellnerinnen sind oft überaus attraktiv), aber
andererseits ist die Rechnungserstellung dafür oft umso
seltsamer. So ist auf manchen Rechnungen das Trinkgeld bereits
inkludiert (was sich aber meist erst auf Nachfrage herausstellt
– wer nicht fragt, gibt also doppelt), in anderen nicht. Und
in einer von Cicero mehrmals frequentierten Bar wechselte die
Geschäftsgebarung überhaupt plötzlich. Oder Cicero wurde als
Tourist klassisch „gelinkt“, wie es so schön heißt.
Jedenfalls war das Trinkgeld bei den ersten beiden Besuchen Teil
der Rechnung, beim Abschiedstrunk dagegen nicht mehr. So kam es,
dass statt der 5.600 Forint auf der Rechnung plötzlich 6.500
Forint verlangt waren. Was erstens ein Trinkgeld von 16 Prozent
bedeutete und zweitens umgerechnet über 27 Euro waren. Nicht
gerade eine Okkasion für zwei Gin-Tonic und zwei Zwack Unicum
bei einer mobilen Straßen-Bar. Aber wie auch immer: Eine
freiwillige Leistung des Gastes fix vorzuschreiben, hält Cicero
in jedem Fall für eine amerikanische Unsitte, auf die in der
Alten Welt verzichtet werden sollte. Falls Sie sich betroffen fühlen,
schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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bei
den Briten
Österreich ist auch touristisch noch
eine „Insel der Seligen“. Ihr Cicero war erst kürzlich in
England und musste dies anhand einiger Beispiele immer wieder
feststellen.
Sowohl in Manchester als auch in London logierte Ihr Cicero in
nach unseren Kategorisierungs-Richtlinien gemessenen
4-Sterne-Hotels. Die Preise waren stark überhöht, was man
einerseits niemanden vorwerfen kann, da England grundsätzlich
sehr teuer ist, andererseits es jedoch das Preis-Leistungs-Verhältnis
noch schlechter darstellt. Waren die Lobby, die Gänge und die
Aufzugsbereiche noch von einer gutbürgerlichen Eleganz, so
bargen die Zimmer (vor allem das in Manchester) abenteuerliche
Überraschungen. Schiebefenster aus der Nachkriegszeit, die so
verdreckt waren, dass sie sich nur milimeterweise bewegen ließen,
Abflüsse und eine WC-Spülung (komisch, die Briten gelten doch
als deren Erfinder?), die nur nach Laune funktionierten und dann
auch nur im Schneckentempo, abgeschlagene Fliesen, englische
Ohrwaschl-Fauteuils, in denen man wie ein Klappmesser versank
und nicht mehr herauskam – die Liste ließe sich noch beliebig
verlängern. Die Quintessenz daraus: In österreichischen Hotels
wohnt sich’ schon sehr gut. Und das wissen auch unsere ausländischen
Gäste. Wichtig ist nur, dass das so bleibt und sich die
Konkurrenz durch Billig-Hotelketten nicht auf die Qualität
auswirkt. Denn „englische Zustände“ brauchen wir uns alle
wahrlich nicht zu wünschen meint Ihr Cicero
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Cicero
- Besonderes erlebbar machen
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Ein Schlüssel zum Erfolg eines
jeden Hotelbetriebs ist es, sich mit einem scharfen
Profil von seinem Mitbewerb abzuheben. Dabei gilt es
jedoch nicht nur, ein entsprechendes Angebots-Paket zu
schnüren, sondern dieses auch erlebbar zu machen.
Prinzipiell gilt das für alle Kategorien, von
einfachsten Betrieben bis zu Luxushotels. Gerade noble Häuser
haben es diesbezüglich paradoxerweise besonders schwer.
Von allem nur das Beste zu nehmen wäre erstens sehr
teuer und schafft für sich genommen auch noch kein
erlebbares Profil. Viel besser ist es, in einem Bereich
– und ist dieser noch so nebensächlich – etwas
wirklich Außergewöhnliches zu bieten, das dem Gast
nachhaltig in Erinnerung bleibt. Bei einem Besuch in
einem New Yorker Luxushotel durfte Cicero unlängst
erleben, wie man das perfekt macht. Natürlich war alles
topp, vom großen Bett über den Flachbildschirm bis hin
zu den flauschigen Badetüchern. Wirklich sensationell
war jedoch der Wasserhahn im Bad. Aus dem schoss eine
Wasserfontäne, die die Wanne in einer knappen Minute füllte.
Das war nicht nur zeitsparend, sondern vermittelte, dass
man sich tatsächlich in einem Luxushaus allererster Güte
befindet. Mit solchen Kleinigkeiten, die man sich merkt
und gerne weitererzählt, gelingt es Hotels, ihre Gäste
zu begeistern und diese zu ihren wichtigsten
Werbebotschaftern zu machen. Dieses Prinzip funktioniert
übrigens nicht nur im Luxussegment. Cicero
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ISST
wie Gott in Frankreich
La „grande Nation“, Frankreich, der
Garten Eden für kulinarische Genießer. Ihr Cicero hatte kürzlich
Gelegenheit, mit einer ganzen Gruppe von Feinspitzen dorthin zu
reisen.
In Lyon, gewissermaßen im Zentrum des Feinschmeckerparadieses,
besuchte die rot-weiß-rote Gästeschar ein Restaurant der
Kategorie Insidertipp, betrieben von einem noch jüngeren
Gastronomen und ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern. Das
Essen war …, nun ja. Eigentlich weiß Ihr Cicero nicht, was er
dort gegessen hat. Das Servicepersonal war nämlich von einer
ausgeprägten Schweigsamkeit befallen und wollte den Gästen
nicht sagen, was genau sich eigentlich hinter den fünf Gängen
verbarg. Auch die Weine wollte man nicht recht erläutern.
Mangelnde Sprachkenntnisse waren allerdings nicht der Grund für
das Verhalten. Denn auf Hinterfragen erhielt man in deutlich
verständlichem Englisch durchaus Auskunft. Auch wurde
nachgeschenkt – wenn man auf Englisch darum ersuchte. Ihr
Cicero rätselte mit seinem Tischnachbarn über die Ursache
dieses merkwürdigen Verhaltens, und man kam zum Schluss, das
hier ein typisch nationales Verhalten vorliege. Spricht man
nicht Französisch, so sei man eben unten durch. Eine solche
Arroganz sollte bei uns einmal ein Gastronom an den Tag legen.
Samt seinem Stern würden ihn seine Gäste durch Sonne und Mond
schießen. Ein solches Paradies kann mir gestohlen bleiben,
meint Ihr Cicero Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie
uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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übt
sich in Geduld
Aus dem historischen Gewölbe blicken
Cicero und Anhang in den begrünten Innenhof mit Gastgarten,
studieren die elegant gestaltete Speisekarte des Haubenlokals in
Wien 2. und geben die Bestellung auf.
Die bunte Gästeschar genießt das Flaschenbier, denn das
Fassbier war leider aus: Es stand nicht auf dem Einkaufszettel,
teilt der Kellner bedauernd mit. Die gut gelaunte
Tischgesellschaft schmunzelt, plaudert, lacht über die
Imponderabilien des täglichen Lebens, spielt mit dem Besteck,
genießt das schöne Ambiente, schaut den Regentropfen zu, wie
sie im Gastgarten in der Pfütze tanzen, liest nochmals die
Speisekarte, … nun könnten Sie diese paar Zeilen rund zwei
Stunden lang immer wieder lesen – und die Hauptspeise ist noch
immer nicht serviert. Wer auf eine Vorspeise zu Gunsten einer
Nachspeise verzichtete, darf mit knurrrrrendem Magen dies sogar
zweieinhalb Stunden lang bereuen. Obwohl in der Speisekarte
steht, dass alle Speisen frisch zubereitet werden und es daher
zu längeren Wartezeiten kommen kann, fehlt Cicero das Verständnis
für die künstlerische Pause zwischen den Gängen. Nachdem
Cicero mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hielt,
entschuldigte sich der Kellner mit einer Nachspeisenplatte auf
Kosten des Hauses – für vier Personen, obwohl sieben am Tisch
saßen … So trat der seltene Fall ein, dass wir nach einem
sehr guten Essen beim Verlassen des Lokals schon wieder hungrig
waren. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte
ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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und
die Sprachen
Wer zählt die Völker, nennt
die Namen, die gastlich hier zusammenkamen? Friedrich
Schiller musste sich in einem frühen Tourismusort
aufgehalten haben, als er seine „Kraniche“ dichtete.
Falls er in Dalmatien war, wird er sich genauso über
die sprachliche Gewandheit des Servicepersonals
gewundert haben wie Ihr Cicero. Kein Lokal, auch nicht
im Hinterland, in dem die Kellner oder Kellnerinnen
nicht ein passables Deutsch sprachen. Vom Nachbartisch
gerufen, klang ihr Englisch oder Französisch auch ganz
annehmbar. Slawische Sprachen wie Tschechisch,
Slowakisch oder Polnisch waren ohnehin kein Problem. Man
musste übrigens auch lange suchen, um eine Speisekarte
zu finden, in der die Speisen nicht mindestens in vier
Sprachen ausgelobt waren. Sprachliche Gewandtheit ist im
Tourismus immer noch ein Qualitätskriterium. Der Gast
honoriert es gerne mit Wiederkommen. Manche österreichischen
Betriebe sollten hier noch etwas (dazu-)lernen. Falls
Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein
E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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Spontane
Lust auf Sprudel
Nicht alles machen unsere Schweizer
Nachbarn besser als wir. Doch wenn es um den professionellen
Verkauf in der Gastronomie geht, können wir uns durchaus etwas
von unserem westlichen Nachbarn abschauen.
So steht jetzt im Sommer in praktisch jedem Betrieb – vom
Bahnhofscafé bis zur edlen Designer-Bar – ein silberner Sektkühler
mit Prosecco- und Champagner-Flaschen für den glasweisen
Verkauf auf der Theke. Der mit Eiswasser gefüllte Kühler läuft
außen an und macht so an heißen Tagen einfach Lust auf ein
erfrischendes Glas „Sprudel“. Mit einfachsten Mitteln wird
hier Kompetenz signalisiert und die Ware offensiv, aber nicht
aufdringlich präsentiert. Neben attraktiven, aber nicht
zwingenderweise hochpreisigen Marken sind es vor allem die
saubere Erscheinung und das Beschlagen des Kühlers, die dem
Gast spontan Lust auf eine prickelnde Erfrischung machen. Cicero
kam, sah und hat getrunken. Prost! Falls Sie sich betroffen fühlen,
schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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mit
vollem Mund
Klimpern gehört seit jeher zum Geschäft.
Es spricht daher auch nichts dagegen, wenn ein Lokal im
Superlativ verkündet, dass es das köstlichste Schnitzel, das
frischeste Bier oder die besten Weine hat.
Problematisch wird es jedoch, wenn man Superlativ und Komparativ
mixt. Das geht fast immer in die Hose. So schrieb unlängst ein
Latino-Lokal anlässlich seiner Eröffnung, dass man
„erstklassige lateinamerikanische Küche – vielleicht die
beste außerhalb Lateinamerikas“ biete. Solche großspurigen
Ankündigungen erreichen – selbst wenn sie mit einem
„vielleicht“ abgeschwächt werden – oft das Gegenteil des
Beabsichtigten. Wer den Mund derart voll nimmt, sollte dies
zumindest mit Augenzwinkern tun. Ansonsten geht der Schuss nämlich
oft nach hinten los. Neben dem Erwecken von Aufmerksamkeit geht
es bei der Werbung auch immer um ein sehr kostbares Gut, das man
nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte: die eigene Glaubwürdigkeit!
Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein
E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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und
das Wasser
Hotels, die ihre Gastlichkeit wörtlich
nehmen, lassen sich zum Empfang ihrer Gäste einiges einfallen.
So begrüßt den Reisenden nicht nur die gut geschulte
Rezeptionistin.
Immer häufiger heißt ihn ein laufender Fernseher am Zimmer mit
namentlichen Insert willkommen. Wer noch eines draufsetzt,
offeriert dem Ankömmling eine Obstschale mit einem
Willkommens-Kärtchen zum genüsslichen Einstieg in seinem
Hotel-Aufenthalt. Bisweilen stolpert der Gast allerdings über
unerwartete Fallstricke. Neben dem ansprechenden Obstteller
steht eine Mineralwasserflasche. Sie findet in der Grußbotschaft
keine weitere Erwähnung, sehr wohl jedoch zum Abschied, nämlich
auf der Hotelrechnung. Und die wohl gemeinte Begrüßung kann
sich noch unerfreulicher gestalten. Bei einer Hotelankunft an
einem heißen Reisetag lacht Cicero die Mineralwasserflasche
einladend entgegen. Ein Preisschildchen mit sechs Euro weist sie
als wahrhaft brillianten Durstlöscher aus. Cicero lässt sich
verlocken, öffnet die Flasche und muss feststellen, dass er
nicht der erste ist, der auf die Idee kam. Der letzte Gast vor
ihm hatte sich daran gütlich getan, und um sich die sechs Euro
zu sparen, die Flasche mit Leitungswasser wieder aufgefüllt.
Dem Zimmerservice war der Misstand leider nicht weiter
aufgefallen. Den Schaden hat letztlich das Hotel. Denn seinem
Image sind solche Erlebnisse nicht gerade förderlich. Falls Sie
sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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testet
Wieder einmal eine Hochzeit in Ciceros
Freundeskreis. Um den schönsten Tag des Lebens auch in
kulinarischer Hinsicht unvergesslich zu gestalten, fanden sich
das Brautpaar, Cicero und zwei weitere Freunde in einem
Landgasthaus nahe der Hohen Wand ein, um der Feier vorweg ein
Testessen zu erleben.
Zunehmend beeindruckt aßen wir uns durch ein Menü vom Feinsten
und gingen mit der Überzeugung von dannen, dass die optimale
Wahl für die Hochzeitsfeier getroffen war. Fünf Wochen später
waren wir dann wieder da, voll der Vorfreude auf das Festmahl,
freilich nicht zu fünft, sondern – wie angekündigt – an
die 80 Personen. Leider war die Küche unseres Hochzeitslokals
diesem Ansturm nicht gewachsen. Denn was beim Probelauf ein
Erlebnis gewesen war, geriet nunmehr zu einem fast durch-“gängigen“
Misserfolg. Augenscheinlich hatte der Wirt mit dem Testessen
weitaus mehr versprochen, als sein Betrieb halten konnte. Oder
umgekehrt: Er ist sich nicht im Klaren darüber, wo die Grenzen
seiner Möglichkeiten sind. Für beide Fälle gilt: schlecht fürs
Image und fürs Geschäft. Falls Sie sich betroffen fühlen,
schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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Enttäuschte
Erwartungen
Cicero findet es toll, wenn er in einem
modernen Hotel die neuesten technischen Gimmicks kennen lernen
kann.
So war er hellauf begeistert, als er in einem internationalen
Kettenhotel das Angebot vorfand, drahtlos über den TV-Schirm im
Internet zu surfen. Es klang wirklich verlockend. Mit einer
mobilen Tastatur sollte das sogar vom Bett aus funktionieren,
auch eine Highspeed-Verbindung wurde versprochen. Dafür schien
eine Flatrate von sieben Euro pro Tag nicht arg teuer, obwohl
Cicero eigentlich nur eine Telefonnummer recherchieren wollte.
Dieser Versuch dauerte eine gute halbe Stunde und war mehr als
frustrierend. Die erste Hürde war die Menü-führung am
TV-Schirm, um überhaupt ins Internet zu kommen. Dann nervte das
Handling der Tastatur, das weder eine Maus noch eine brauchbare
Alternative zu dieser hatte. Nachdem diese beiden Hürden
genommen waren, dauerte der Aufbau einfachster Seiten länger
als eine Minute, von Highspeed-Datenleitung keine Spur. Nach
einer halben Stunde war die Pflicht – das Suchen der
Telefonnummer – erfüllt, auf die Kür, sprich: auch noch
privat einige Medienseiten zu besuchen, hat ein frustrierter
Cicero dankend verzichtet. Sein Fazit: Man sollte nur dann ungewöhnliche
Mehrleistungen anbieten, wenn man diese auch tatsächlich erfüllen
kann. So ist nämlich außer Frust über unerfüllte Erwartungen
und eine erhöhte Hotelrechnung nichts geblieben. Falls Sie sich
betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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isst
mit den Augen
Die obligate Sonntagsfrage: „Wohin
gehen wir essen?“, beantwortet Cicero zuerst immer mit
„nicht schon wieder italienische oder chinesische Küche“,
denn er möchte österreichische Schmankerln mit Messer und
Gabel zerlegen.
Also ein Landgasthof mit bodenständiger Küche soll es sein, wo
es noch Wiener Schnitzel oder Schweinsbraten mit Kraut und Knödel
gibt und der darüber hinaus auch sonntags geöffnet hat. In
einer oberösterreichischen, eisenverarbeitenden Stadt wird
Cicero fündig. Beim Betreten riecht es eher abschreckend nach
Beisl und Suppenwürze, aber das rauchfreie und winterlich
dekorierte Jagdstüberl wirkt einladend. Erst beim zweiten Blick
fällt auf, dass die grün-beigen Tischtücher mit den blauen
Schneemannservietten nicht harmonieren und die amerikanisch bunt
blinkenden Leuchtgirlanden in den Fenstern für eigenartige
Farbeffekte und irritierende Lichtblitze sorgen. Mit der Zeit
gewöhnt sich Ciceros Auge an das farbenfrohe Durcheinander, das
seinen Höhepunkt im teilweise abgeschlagenen Geschirr der 60er-
Jahre mit dickem, moosgrünem Rand und schon jahrzehntelang benütztem
Besteck fand. Das darauf angerichtete und wirklich tadellose
Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat hätte einen mängelfreien
Teller verdient. Da fragt sich Cicero: „Hat der Wirt noch nie
gehört, dass auch das Auge des Gastes mitisst?" Falls Sie
sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
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Cicero
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und
der Koch als König
Ein Leser der ÖGZ wandte sich jüngst
mit einem ziemlich unerfreulichen gastronomischen Erlebnis in
einem heimischen Top-Betrieb an die Redaktion:
wobei einer von vielen Punkten die Aussage der Chefin des Hauses
war, dass man die Vorspeise im Menü nicht einfach durch ein Trüffel-Risotto
ersetzen könne, denn man habe sich bei der Zusammenstellung des
Menüs ja schließlich etwas gedacht (n. b.: nachdem eben diese
Variante vorher von einem Kellner angeboten wurde). Aber auch
andere heimische Spitzenköche sind schon mal durch unangepasste
Überheblichkeit dem Gast gegenüber ins Gespräch gekommen,
ganz nach dem Motto „Wer ein Gericht nicht versteht, ist es
nicht wert, bei mir zu essen.“ Da beantwortet sich die Frage,
ob nun der Gast oder der Koch König ist, von selber … Cicero
hat zu diesem Thema jedenfalls einen recht altmodischen Zugang:
Egal ob ein Kunde zum Hummer ein scharfes Chili wünscht, ob er
ein Hirschfilet mit Welschriesling begleiten möchte oder den
’89er Margaux gern eisgekühlt trinkt: Im Service kann man
allenfalls darauf hinweisen, dass eine andere Variante
empfehlenswerter wäre. Gegebenenfalls hat aber jeder Wunsch des
zahlenden Gastes professionell erfüllt zu werden. Wie sagte
Heinz Reitbauer vor kurzem anlässlich der Eröffnung seines
neuen Steirerecks so schön: „Wenn ein Gast bei mir um 5 vor
12 noch ein Schnitzel haben möchte, dann bekommt er es auch.“
Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein
E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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Cicero
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WAR
IN PARIS
Dass die Franzosen in der restlichen
Welt den Ruf genießen, leicht chauvinistisch zu sein, und dass
man, um akzeptiert zu werden, wenigstens ein paar Brocken der
Landessprache können sollte, ist nichts Neues.
Indes: Dies beruht nicht nur auf Vorurteilen, wie sich Cicero
(der zwar noch einer Spur des Lateinischen kundig ist, für mehr
als „Guten Morgen“ oder „Danke“ hats auf Französisch
allerdings leider nie gereicht) jüngst überzeugen konnte: Es
begann bei der Ankunft am Flughafen Charles de Gaulle – auch
nicht einer der unfrequentierten Provinz-Flughäfen. Bloß,
selbst ein „Exit“-Schild sucht man dort vergeblich. Wer
nicht weiß, dass „Sortie“ auf Französisch „Ausgang“
bedeutet, hat eine ausführliche Besichtigung des inneren
Flughafengebäudes vor sich. Nächste Station: der
Ticket-Automat für den Zug ins Zentrum. Mehrsprachige
Anweisungen, wie sie auf jedem Bankomat selbst im hintersten
Winkel von Spanien oder Italien üblich sind? Fehlanzeige! Da
wunderte es Cicero plötzlich nicht mehr, dass Japaner und
Amerikaner vorwiegend in Gruppen durch die Stadt geschleust
wurden. In Wien ist man auf touristische Bedürfnisse jedenfalls
deutlich besser eingestellt. Und so war der Dialog mit der Verkäuferin
in einem Pariser Käse-Spezialitätengeschäft nur mehr
Draufgabe: „Do you speak english?“ „No.“ „Sprechen Sie
vielleicht deutsch?“ „GERMAN? NO!“ Falls Sie sich
betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
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Cicero
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hat
Pech gehabt
Da ein neues Beisl, dort ein neues
Restaurant. Fazit: Ein Haubenkoch macht noch lange kein Café-Restaurant.
Da wird Cicero das Achterl Zweigelt um € 4,50 im Weinglas mit
rotem Kussmund serviert. Den Blattsalat mit Austernpilzen und
Grana gab es nur noch mit gerösteten Champignons. Erst nach
Urgenz wurde das Gebäck serviert. Doch das Semmerl, das hinter
Ciceros Rücken schon einen wahren Körberl-Marathon absolviert
hatte, war alles andere als frisch. Und nun konstatierte Cicero
auch noch, dass der Grana am Salat fehlte. Also wagte der alte
Herr, die junge Servierkraft nach dem Verbleib des Grana zu
fragen – und diese antwortete: „Pech g´habt, vielleicht
beim nächsten Mal!“ Nach diesem Statement ließ sich Cicero
den Geschäftsführer kommen, der mit der Situation
offensichtlich überfordert war. Er wollte seine Kellnerin vor
allen Gästen lautstark zur Rede stellen. Wir erklärten ihm,
wie sich der Chef in einem solchen Fall verhalten sollte, worauf
der junge Herr meinte: „Wir haben erst vor einem Monat
aufgesperrt. Der Grana steht nur auf der Mittagskarte,
eigentlich hätten Sie die Nachmittagskarte ohne Grana bekommen
sollen(!); und das Problem mit dem Gebäck kennen wir, am
Sonntag wird es nicht frisch geliefert.“ Mit diesem
Gastro-Abenteuer, trotz Wiedergutmachungs-Achterl, unterhielt
Cicero noch viele Freunde. Negatives bleibt halt länger in
Erinnerung als Positives. Falls Sie sich betroffen fühlen,
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oder ein Fax: 01/546 64-360.
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und
der Kork
Bei zwei Gelegenheiten konnte Ihr
Cicero wieder einmal feststellen, was die Weinwelt wirklich
bewegt: Der Kork oder besser der von Bakterien verursachte
Korkgeschmack.
Zwei renommierte Vereinigungen aus dem Burgenland brachten ihren
aktuellen und einige ältere Jahrgänge zur Degustation, und
gleich mehrere Experten kosteten in weiser Voraussicht jede
Flasche vor dem Einschenken. Der Hintergrund: Insider schätzen,
dass der Schaden durch Korkgeschmack bis zu 20 % der gesamten
Produktion betrifft. Die meisten dieser Flaschenfehler sind
ziemlich gemein, weil nicht sofort erkennbar. Es ist bestimmt
schon jedem Weinfreund einmal passiert, dass man beim Genuss
eines besonderen Weins denkt: Der war aber auch schon einmal
besser. Der „maskierte Kork“ ist bei den guten
Weinproduzenten besonders gefürchtet, weil er den Ruf
nachhaltiger schädigen kann als der offensichtliche (oder eher
offengeruchliche) Kork. Letzteren wird wohl jeder Gast, der ihn
erkennt, reklamieren, bei der „Maskerade“ bleibt oft nur
eine diffuse Unzufriedenheit zurück. Nun versucht man schon
seit langem gegenzusteuern, und alternative Flaschenverschlüsse
wurden entwickelt. Die Kunststoffkorken lassen zwar das
gewohnte, geliebte Ritual des Entkorkens zu, eignen sich
allerdings nur für jung zu trinkende Tropfen. Der
Glasverschluss ist in gewisser Weise ein Silikon-Verschluss,
weil dieses Material die Dichtheit ausmacht. Und der
Schraubverschluss ist zwar rational betrachtet eine vernünftige
Lösung, macht aber bei Tisch als rituelles Objekt der Begierde
nicht viel her. Für glasweise ausgeschenkte Weine ist der „Schrauber“
sicher der richtige Dreh. Bei Tisch gilt aber nach wie vor:
Geschulte Gaumen sollten den Wein vor dem Einschenken prüfen.
Egal, wie sich diese Thematik bei den Produzenten
weiterentwickelt – in der Gastronomie wird der Sommelier künftig
wohl noch wichtiger. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken
Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at
oder ein Fax: 01/546 64-360.
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