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Über das höchste Gut und das größte Übel" Cicero

Cicero beleuchtet kritisch Woche für Woche

 die Gastronomie und Hotellerie in Österreich und International.

 

Cicero

[13.07.2005]

 

in Budapest
Cicero verschlug es vor kurzem nach Budapest. Eine herrliche Stadt mit viel Leben und einer blühenden Gastronomie. Leider trifft bei jener das Sprichwort zu, dass es kein Licht ohne Schatten gibt.

Denn einerseits sind die Kellner durchwegs extrem freundlich und bemüht und verfügen über sehr gute Englisch-Kenntnisse (und speziell die Kellnerinnen sind oft überaus attraktiv), aber andererseits ist die Rechnungserstellung dafür oft umso seltsamer. So ist auf manchen Rechnungen das Trinkgeld bereits inkludiert (was sich aber meist erst auf Nachfrage herausstellt – wer nicht fragt, gibt also doppelt), in anderen nicht. Und in einer von Cicero mehrmals frequentierten Bar wechselte die Geschäftsgebarung überhaupt plötzlich. Oder Cicero wurde als Tourist klassisch „gelinkt“, wie es so schön heißt. Jedenfalls war das Trinkgeld bei den ersten beiden Besuchen Teil der Rechnung, beim Abschiedstrunk dagegen nicht mehr. So kam es, dass statt der 5.600 Forint auf der Rechnung plötzlich 6.500 Forint verlangt waren. Was erstens ein Trinkgeld von 16 Prozent bedeutete und zweitens umgerechnet über 27 Euro waren. Nicht gerade eine Okkasion für zwei Gin-Tonic und zwei Zwack Unicum bei einer mobilen Straßen-Bar. Aber wie auch immer: Eine freiwillige Leistung des Gastes fix vorzuschreiben, hält Cicero in jedem Fall für eine amerikanische Unsitte, auf die in der Alten Welt verzichtet werden sollte. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

Cicero

[12.12.2006]

 

© ÖWV

bei den Briten
Österreich ist auch touristisch noch eine „Insel der Seligen“. Ihr Cicero war erst kürzlich in England und musste dies anhand einiger Beispiele immer wieder feststellen.

Sowohl in Manchester als auch in London logierte Ihr Cicero in nach unseren Kategorisierungs-Richtlinien gemessenen 4-Sterne-Hotels. Die Preise waren stark überhöht, was man einerseits niemanden vorwerfen kann, da England grundsätzlich sehr teuer ist, andererseits es jedoch das Preis-Leistungs-Verhältnis noch schlechter darstellt. Waren die Lobby, die Gänge und die Aufzugsbereiche noch von einer gutbürgerlichen Eleganz, so bargen die Zimmer (vor allem das in Manchester) abenteuerliche Überraschungen. Schiebefenster aus der Nachkriegszeit, die so verdreckt waren, dass sie sich nur milimeterweise bewegen ließen, Abflüsse und eine WC-Spülung (komisch, die Briten gelten doch als deren Erfinder?), die nur nach Laune funktionierten und dann auch nur im Schneckentempo, abgeschlagene Fliesen, englische Ohrwaschl-Fauteuils, in denen man wie ein Klappmesser versank und nicht mehr herauskam – die Liste ließe sich noch beliebig verlängern. Die Quintessenz daraus: In österreichischen Hotels wohnt sich’ schon sehr gut. Und das wissen auch unsere ausländischen Gäste. Wichtig ist nur, dass das so bleibt und sich die Konkurrenz durch Billig-Hotelketten nicht auf die Qualität auswirkt. Denn „englische Zustände“ brauchen wir uns alle wahrlich nicht zu wünschen meint Ihr Cicero

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Cicero - Besonderes erlebbar machen

[12.12.2006]

 

© ÖWV


Ein Schlüssel zum Erfolg eines jeden Hotelbetriebs ist es, sich mit einem scharfen Profil von seinem Mitbewerb abzuheben. Dabei gilt es jedoch nicht nur, ein entsprechendes Angebots-Paket zu schnüren, sondern dieses auch erlebbar zu machen.

Prinzipiell gilt das für alle Kategorien, von einfachsten Betrieben bis zu Luxushotels. Gerade noble Häuser haben es diesbezüglich paradoxerweise besonders schwer. Von allem nur das Beste zu nehmen wäre erstens sehr teuer und schafft für sich genommen auch noch kein erlebbares Profil. Viel besser ist es, in einem Bereich – und ist dieser noch so nebensächlich – etwas wirklich Außergewöhnliches zu bieten, das dem Gast nachhaltig in Erinnerung bleibt. Bei einem Besuch in einem New Yorker Luxushotel durfte Cicero unlängst erleben, wie man das perfekt macht. Natürlich war alles topp, vom großen Bett über den Flachbildschirm bis hin zu den flauschigen Badetüchern. Wirklich sensationell war jedoch der Wasserhahn im Bad. Aus dem schoss eine Wasserfontäne, die die Wanne in einer knappen Minute füllte. Das war nicht nur zeitsparend, sondern vermittelte, dass man sich tatsächlich in einem Luxushaus allererster Güte befindet. Mit solchen Kleinigkeiten, die man sich merkt und gerne weitererzählt, gelingt es Hotels, ihre Gäste zu begeistern und diese zu ihren wichtigsten Werbebotschaftern zu machen. Dieses Prinzip funktioniert übrigens nicht nur im Luxussegment. Cicero


[24.02.2005]

 

ISST wie Gott in Frankreich
La „grande Nation“, Frankreich, der Garten Eden für kulinarische Genießer. Ihr Cicero hatte kürzlich Gelegenheit, mit einer ganzen Gruppe von Feinspitzen dorthin zu reisen.

In Lyon, gewissermaßen im Zentrum des Feinschmeckerparadieses, besuchte die rot-weiß-rote Gästeschar ein Restaurant der Kategorie Insidertipp, betrieben von einem noch jüngeren Gastronomen und ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern. Das Essen war …, nun ja. Eigentlich weiß Ihr Cicero nicht, was er dort gegessen hat. Das Servicepersonal war nämlich von einer ausgeprägten Schweigsamkeit befallen und wollte den Gästen nicht sagen, was genau sich eigentlich hinter den fünf Gängen verbarg. Auch die Weine wollte man nicht recht erläutern. Mangelnde Sprachkenntnisse waren allerdings nicht der Grund für das Verhalten. Denn auf Hinterfragen erhielt man in deutlich verständlichem Englisch durchaus Auskunft. Auch wurde nachgeschenkt – wenn man auf Englisch darum ersuchte. Ihr Cicero rätselte mit seinem Tischnachbarn über die Ursache dieses merkwürdigen Verhaltens, und man kam zum Schluss, das hier ein typisch nationales Verhalten vorliege. Spricht man nicht Französisch, so sei man eben unten durch. Eine solche Arroganz sollte bei uns einmal ein Gastronom an den Tag legen. Samt seinem Stern würden ihn seine Gäste durch Sonne und Mond schießen. Ein solches Paradies kann mir gestohlen bleiben, meint Ihr Cicero Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.


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Cicero

[12.09.2005]

 

übt sich in Geduld
Aus dem historischen Gewölbe blicken Cicero und Anhang in den begrünten Innenhof mit Gastgarten, studieren die elegant gestaltete Speisekarte des Haubenlokals in Wien 2. und geben die Bestellung auf.

Die bunte Gästeschar genießt das Flaschenbier, denn das Fassbier war leider aus: Es stand nicht auf dem Einkaufszettel, teilt der Kellner bedauernd mit. Die gut gelaunte Tischgesellschaft schmunzelt, plaudert, lacht über die Imponderabilien des täglichen Lebens, spielt mit dem Besteck, genießt das schöne Ambiente, schaut den Regentropfen zu, wie sie im Gastgarten in der Pfütze tanzen, liest nochmals die Speisekarte, … nun könnten Sie diese paar Zeilen rund zwei Stunden lang immer wieder lesen – und die Hauptspeise ist noch immer nicht serviert. Wer auf eine Vorspeise zu Gunsten einer Nachspeise verzichtete, darf mit knurrrrrendem Magen dies sogar zweieinhalb Stunden lang bereuen. Obwohl in der Speisekarte steht, dass alle Speisen frisch zubereitet werden und es daher zu längeren Wartezeiten kommen kann, fehlt Cicero das Verständnis für die künstlerische Pause zwischen den Gängen. Nachdem Cicero mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hielt, entschuldigte sich der Kellner mit einer Nachspeisenplatte auf Kosten des Hauses – für vier Personen, obwohl sieben am Tisch saßen … So trat der seltene Fall ein, dass wir nach einem sehr guten Essen beim Verlassen des Lokals schon wieder hungrig waren. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

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Cicero

[02.09.2005]

 

und die Sprachen
Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen? Friedrich Schiller musste sich in einem frühen Tourismusort aufgehalten haben, als er seine „Kraniche“ dichtete.

Falls er in Dalmatien war, wird er sich genauso über die sprachliche Gewandheit des Servicepersonals gewundert haben wie Ihr Cicero. Kein Lokal, auch nicht im Hinterland, in dem die Kellner oder Kellnerinnen nicht ein passables Deutsch sprachen. Vom Nachbartisch gerufen, klang ihr Englisch oder Französisch auch ganz annehmbar. Slawische Sprachen wie Tschechisch, Slowakisch oder Polnisch waren ohnehin kein Problem. Man musste übrigens auch lange suchen, um eine Speisekarte zu finden, in der die Speisen nicht mindestens in vier Sprachen ausgelobt waren. Sprachliche Gewandtheit ist im Tourismus immer noch ein Qualitätskriterium. Der Gast honoriert es gerne mit Wiederkommen. Manche österreichischen Betriebe sollten hier noch etwas (dazu-)lernen. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

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Cicero

[05.08.2005]

 

Spontane Lust auf Sprudel
Nicht alles machen unsere Schweizer Nachbarn besser als wir. Doch wenn es um den professionellen Verkauf in der Gastronomie geht, können wir uns durchaus etwas von unserem westlichen Nachbarn abschauen.

So steht jetzt im Sommer in praktisch jedem Betrieb – vom Bahnhofscafé bis zur edlen Designer-Bar – ein silberner Sektkühler mit Prosecco- und Champagner-Flaschen für den glasweisen Verkauf auf der Theke. Der mit Eiswasser gefüllte Kühler läuft außen an und macht so an heißen Tagen einfach Lust auf ein erfrischendes Glas „Sprudel“. Mit einfachsten Mitteln wird hier Kompetenz signalisiert und die Ware offensiv, aber nicht aufdringlich präsentiert. Neben attraktiven, aber nicht zwingenderweise hochpreisigen Marken sind es vor allem die saubere Erscheinung und das Beschlagen des Kühlers, die dem Gast spontan Lust auf eine prickelnde Erfrischung machen. Cicero kam, sah und hat getrunken. Prost! Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

Cicero

[20.07.2005]

 

mit vollem Mund
Klimpern gehört seit jeher zum Geschäft. Es spricht daher auch nichts dagegen, wenn ein Lokal im Superlativ verkündet, dass es das köstlichste Schnitzel, das frischeste Bier oder die besten Weine hat.

Problematisch wird es jedoch, wenn man Superlativ und Komparativ mixt. Das geht fast immer in die Hose. So schrieb unlängst ein Latino-Lokal anlässlich seiner Eröffnung, dass man „erstklassige lateinamerikanische Küche – vielleicht die beste außerhalb Lateinamerikas“ biete. Solche großspurigen Ankündigungen erreichen – selbst wenn sie mit einem „vielleicht“ abgeschwächt werden – oft das Gegenteil des Beabsichtigten. Wer den Mund derart voll nimmt, sollte dies zumindest mit Augenzwinkern tun. Ansonsten geht der Schuss nämlich oft nach hinten los. Neben dem Erwecken von Aufmerksamkeit geht es bei der Werbung auch immer um ein sehr kostbares Gut, das man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollte: die eigene Glaubwürdigkeit! Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

Cicero

[18.11.2005]

 

und das Wasser
Hotels, die ihre Gastlichkeit wörtlich nehmen, lassen sich zum Empfang ihrer Gäste einiges einfallen. So begrüßt den Reisenden nicht nur die gut geschulte Rezeptionistin.

Immer häufiger heißt ihn ein laufender Fernseher am Zimmer mit namentlichen Insert willkommen. Wer noch eines draufsetzt, offeriert dem Ankömmling eine Obstschale mit einem Willkommens-Kärtchen zum genüsslichen Einstieg in seinem Hotel-Aufenthalt. Bisweilen stolpert der Gast allerdings über unerwartete Fallstricke. Neben dem ansprechenden Obstteller steht eine Mineralwasserflasche. Sie findet in der Grußbotschaft keine weitere Erwähnung, sehr wohl jedoch zum Abschied, nämlich auf der Hotelrechnung. Und die wohl gemeinte Begrüßung kann sich noch unerfreulicher gestalten. Bei einer Hotelankunft an einem heißen Reisetag lacht Cicero die Mineralwasserflasche einladend entgegen. Ein Preisschildchen mit sechs Euro weist sie als wahrhaft brillianten Durstlöscher aus. Cicero lässt sich verlocken, öffnet die Flasche und muss feststellen, dass er nicht der erste ist, der auf die Idee kam. Der letzte Gast vor ihm hatte sich daran gütlich getan, und um sich die sechs Euro zu sparen, die Flasche mit Leitungswasser wieder aufgefüllt. Dem Zimmerservice war der Misstand leider nicht weiter aufgefallen. Den Schaden hat letztlich das Hotel. Denn seinem Image sind solche Erlebnisse nicht gerade förderlich. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

Cicero

[04.11.2005]

 

testet
Wieder einmal eine Hochzeit in Ciceros Freundeskreis. Um den schönsten Tag des Lebens auch in kulinarischer Hinsicht unvergesslich zu gestalten, fanden sich das Brautpaar, Cicero und zwei weitere Freunde in einem Landgasthaus nahe der Hohen Wand ein, um der Feier vorweg ein Testessen zu erleben.

Zunehmend beeindruckt aßen wir uns durch ein Menü vom Feinsten und gingen mit der Überzeugung von dannen, dass die optimale Wahl für die Hochzeitsfeier getroffen war. Fünf Wochen später waren wir dann wieder da, voll der Vorfreude auf das Festmahl, freilich nicht zu fünft, sondern – wie angekündigt – an die 80 Personen. Leider war die Küche unseres Hochzeitslokals diesem Ansturm nicht gewachsen. Denn was beim Probelauf ein Erlebnis gewesen war, geriet nunmehr zu einem fast durch-“gängigen“ Misserfolg. Augenscheinlich hatte der Wirt mit dem Testessen weitaus mehr versprochen, als sein Betrieb halten konnte. Oder umgekehrt: Er ist sich nicht im Klaren darüber, wo die Grenzen seiner Möglichkeiten sind. Für beide Fälle gilt: schlecht fürs Image und fürs Geschäft. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.


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Cicero

[14.10.2005]

 

Enttäuschte Erwartungen
Cicero findet es toll, wenn er in einem modernen Hotel die neuesten technischen Gimmicks kennen lernen kann.

So war er hellauf begeistert, als er in einem internationalen Kettenhotel das Angebot vorfand, drahtlos über den TV-Schirm im Internet zu surfen. Es klang wirklich verlockend. Mit einer mobilen Tastatur sollte das sogar vom Bett aus funktionieren, auch eine Highspeed-Verbindung wurde versprochen. Dafür schien eine Flatrate von sieben Euro pro Tag nicht arg teuer, obwohl Cicero eigentlich nur eine Telefonnummer recherchieren wollte. Dieser Versuch dauerte eine gute halbe Stunde und war mehr als frustrierend. Die erste Hürde war die Menü-führung am TV-Schirm, um überhaupt ins Internet zu kommen. Dann nervte das Handling der Tastatur, das weder eine Maus noch eine brauchbare Alternative zu dieser hatte. Nachdem diese beiden Hürden genommen waren, dauerte der Aufbau einfachster Seiten länger als eine Minute, von Highspeed-Datenleitung keine Spur. Nach einer halben Stunde war die Pflicht – das Suchen der Telefonnummer – erfüllt, auf die Kür, sprich: auch noch privat einige Medienseiten zu besuchen, hat ein frustrierter Cicero dankend verzichtet. Sein Fazit: Man sollte nur dann ungewöhnliche Mehrleistungen anbieten, wenn man diese auch tatsächlich erfüllen kann. So ist nämlich außer Frust über unerfüllte Erwartungen und eine erhöhte Hotelrechnung nichts geblieben. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

Cicero

[23.03.2005]

 

isst mit den Augen
Die obligate Sonntagsfrage: „Wohin gehen wir essen?“, beantwortet Cicero zuerst immer mit „nicht schon wieder italienische oder chinesische Küche“, denn er möchte österreichische Schmankerln mit Messer und Gabel zerlegen.

Also ein Landgasthof mit bodenständiger Küche soll es sein, wo es noch Wiener Schnitzel oder Schweinsbraten mit Kraut und Knödel gibt und der darüber hinaus auch sonntags geöffnet hat. In einer oberösterreichischen, eisenverarbeitenden Stadt wird Cicero fündig. Beim Betreten riecht es eher abschreckend nach Beisl und Suppenwürze, aber das rauchfreie und winterlich dekorierte Jagdstüberl wirkt einladend. Erst beim zweiten Blick fällt auf, dass die grün-beigen Tischtücher mit den blauen Schneemannservietten nicht harmonieren und die amerikanisch bunt blinkenden Leuchtgirlanden in den Fenstern für eigenartige Farbeffekte und irritierende Lichtblitze sorgen. Mit der Zeit gewöhnt sich Ciceros Auge an das farbenfrohe Durcheinander, das seinen Höhepunkt im teilweise abgeschlagenen Geschirr der 60er- Jahre mit dickem, moosgrünem Rand und schon jahrzehntelang benütztem Besteck fand. Das darauf angerichtete und wirklich tadellose Wiener Schnitzel mit Erdäpfelsalat hätte einen mängelfreien Teller verdient. Da fragt sich Cicero: „Hat der Wirt noch nie gehört, dass auch das Auge des Gastes mitisst?" Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

Cicero

[24.02.2005]

 

und der Koch als König
Ein Leser der ÖGZ wandte sich jüngst mit einem ziemlich unerfreulichen gastronomischen Erlebnis in einem heimischen Top-Betrieb an die Redaktion:

wobei einer von vielen Punkten die Aussage der Chefin des Hauses war, dass man die Vorspeise im Menü nicht einfach durch ein Trüffel-Risotto ersetzen könne, denn man habe sich bei der Zusammenstellung des Menüs ja schließlich etwas gedacht (n. b.: nachdem eben diese Variante vorher von einem Kellner angeboten wurde). Aber auch andere heimische Spitzenköche sind schon mal durch unangepasste Überheblichkeit dem Gast gegenüber ins Gespräch gekommen, ganz nach dem Motto „Wer ein Gericht nicht versteht, ist es nicht wert, bei mir zu essen.“ Da beantwortet sich die Frage, ob nun der Gast oder der Koch König ist, von selber … Cicero hat zu diesem Thema jedenfalls einen recht altmodischen Zugang: Egal ob ein Kunde zum Hummer ein scharfes Chili wünscht, ob er ein Hirschfilet mit Welschriesling begleiten möchte oder den ’89er Margaux gern eisgekühlt trinkt: Im Service kann man allenfalls darauf hinweisen, dass eine andere Variante empfehlenswerter wäre. Gegebenenfalls hat aber jeder Wunsch des zahlenden Gastes professionell erfüllt zu werden. Wie sagte Heinz Reitbauer vor kurzem anlässlich der Eröffnung seines neuen Steirerecks so schön: „Wenn ein Gast bei mir um 5 vor 12 noch ein Schnitzel haben möchte, dann bekommt er es auch.“ Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

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Cicero

[17.07.2006]

 

WAR IN PARIS
Dass die Franzosen in der restlichen Welt den Ruf genießen, leicht chauvinistisch zu sein, und dass man, um akzeptiert zu werden, wenigstens ein paar Brocken der Landessprache können sollte, ist nichts Neues.

Indes: Dies beruht nicht nur auf Vorurteilen, wie sich Cicero (der zwar noch einer Spur des Lateinischen kundig ist, für mehr als „Guten Morgen“ oder „Danke“ hats auf Französisch allerdings leider nie gereicht) jüngst überzeugen konnte: Es begann bei der Ankunft am Flughafen Charles de Gaulle – auch nicht einer der unfrequentierten Provinz-Flughäfen. Bloß, selbst ein „Exit“-Schild sucht man dort vergeblich. Wer nicht weiß, dass „Sortie“ auf Französisch „Ausgang“ bedeutet, hat eine ausführliche Besichtigung des inneren Flughafengebäudes vor sich. Nächste Station: der Ticket-Automat für den Zug ins Zentrum. Mehrsprachige Anweisungen, wie sie auf jedem Bankomat selbst im hintersten Winkel von Spanien oder Italien üblich sind? Fehlanzeige! Da wunderte es Cicero plötzlich nicht mehr, dass Japaner und Amerikaner vorwiegend in Gruppen durch die Stadt geschleust wurden. In Wien ist man auf touristische Bedürfnisse jedenfalls deutlich besser eingestellt. Und so war der Dialog mit der Verkäuferin in einem Pariser Käse-Spezialitätengeschäft nur mehr Draufgabe: „Do you speak english?“ „No.“ „Sprechen Sie vielleicht deutsch?“ „GERMAN? NO!“ Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

Cicero

[23.10.2006]

 

hat Pech gehabt
Da ein neues Beisl, dort ein neues Restaurant. Fazit: Ein Haubenkoch macht noch lange kein Café-Restaurant.

Da wird Cicero das Achterl Zweigelt um € 4,50 im Weinglas mit rotem Kussmund serviert. Den Blattsalat mit Austernpilzen und Grana gab es nur noch mit gerösteten Champignons. Erst nach Urgenz wurde das Gebäck serviert. Doch das Semmerl, das hinter Ciceros Rücken schon einen wahren Körberl-Marathon absolviert hatte, war alles andere als frisch. Und nun konstatierte Cicero auch noch, dass der Grana am Salat fehlte. Also wagte der alte Herr, die junge Servierkraft nach dem Verbleib des Grana zu fragen – und diese antwortete: „Pech g´habt, vielleicht beim nächsten Mal!“ Nach diesem Statement ließ sich Cicero den Geschäftsführer kommen, der mit der Situation offensichtlich überfordert war. Er wollte seine Kellnerin vor allen Gästen lautstark zur Rede stellen. Wir erklärten ihm, wie sich der Chef in einem solchen Fall verhalten sollte, worauf der junge Herr meinte: „Wir haben erst vor einem Monat aufgesperrt. Der Grana steht nur auf der Mittagskarte, eigentlich hätten Sie die Nachmittagskarte ohne Grana bekommen sollen(!); und das Problem mit dem Gebäck kennen wir, am Sonntag wird es nicht frisch geliefert.“ Mit diesem Gastro-Abenteuer, trotz Wiedergutmachungs-Achterl, unterhielt Cicero noch viele Freunde. Negatives bleibt halt länger in Erinnerung als Positives. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.


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Cicero

[23.09.2004]

 

und der Kork
Bei zwei Gelegenheiten konnte Ihr Cicero wieder einmal feststellen, was die Weinwelt wirklich bewegt: Der Kork oder besser der von Bakterien verursachte Korkgeschmack.

Zwei renommierte Vereinigungen aus dem Burgenland brachten ihren aktuellen und einige ältere Jahrgänge zur Degustation, und gleich mehrere Experten kosteten in weiser Voraussicht jede Flasche vor dem Einschenken. Der Hintergrund: Insider schätzen, dass der Schaden durch Korkgeschmack bis zu 20 % der gesamten Produktion betrifft. Die meisten dieser Flaschenfehler sind ziemlich gemein, weil nicht sofort erkennbar. Es ist bestimmt schon jedem Weinfreund einmal passiert, dass man beim Genuss eines besonderen Weins denkt: Der war aber auch schon einmal besser. Der „maskierte Kork“ ist bei den guten Weinproduzenten besonders gefürchtet, weil er den Ruf nachhaltiger schädigen kann als der offensichtliche (oder eher offengeruchliche) Kork. Letzteren wird wohl jeder Gast, der ihn erkennt, reklamieren, bei der „Maskerade“ bleibt oft nur eine diffuse Unzufriedenheit zurück. Nun versucht man schon seit langem gegenzusteuern, und alternative Flaschenverschlüsse wurden entwickelt. Die Kunststoffkorken lassen zwar das gewohnte, geliebte Ritual des Entkorkens zu, eignen sich allerdings nur für jung zu trinkende Tropfen. Der Glasverschluss ist in gewisser Weise ein Silikon-Verschluss, weil dieses Material die Dichtheit ausmacht. Und der Schraubverschluss ist zwar rational betrachtet eine vernünftige Lösung, macht aber bei Tisch als rituelles Objekt der Begierde nicht viel her. Für glasweise ausgeschenkte Weine ist der „Schrauber“ sicher der richtige Dreh. Bei Tisch gilt aber nach wie vor: Geschulte Gaumen sollten den Wein vor dem Einschenken prüfen. Egal, wie sich diese Thematik bei den Produzenten weiterentwickelt – in der Gastronomie wird der Sommelier künftig wohl noch wichtiger. Falls Sie sich betroffen fühlen, schicken Sie uns bitte ein E-Mail: gast@wirtschaftsverlag.at oder ein Fax: 01/546 64-360.

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